DALI-Lichtsteuerung: was DALI ist und wie es mit KNX zusammenarbeitet
DALI ist ein eigener Bus nur für das Licht. Jede Leuchte bekommt eine Adresse und lässt sich einzeln dimmen, ohne eigene Leitung zum Verteiler. Im KNX-Haus übernimmt ein DALI-Gateway die Übersetzung. Hier erfahren Sie, wie das funktioniert und wann es sich für Sie lohnt.
Kurz gesagt
- DALI steht für Digital Addressable Lighting Interface, ein internationaler Standard (IEC 62386) für die Lichtsteuerung.
- Über zwei Steueradern lassen sich an einem DALI-Strang bis zu 64 Leuchten einzeln oder in bis zu 16 Gruppen dimmen.
- KNX und DALI ergänzen sich: KNX-Taster und Präsenzmelder liefern das Wenn, das DALI-Gateway im Verteiler steuert die Leuchten.
- DALI lohnt sich bei vielen dimmbaren Leuchten, bei Downlights und LED-Bändern und wenn sich die Lichtfarbe ändern soll.
- Die Leuchten brauchen ein Betriebsgerät mit DALI-Schnittstelle. Normale LED-Lampen mit Schraubsockel können kein DALI.
Was ist DALI?
DALI steht für Digital Addressable Lighting Interface, übersetzt etwa „digitale, adressierbare Schnittstelle für Licht“. Der Standard ist international in der Normenreihe IEC 62386 festgelegt und wird von vielen Leuchten- und Geräteherstellern unterstützt. Anders als KNX steuert DALI ausschließlich Licht. Dafür kann es das besonders gut.
Das Prinzip: Jede Leuchte hat ein Betriebsgerät mit DALI-Schnittstelle, also ein elektronisches Vorschaltgerät oder einen LED-Treiber. Dieses Gerät bekommt eine eigene Adresse. Alle Leuchten eines Strangs hängen an denselben zwei Steueradern, und trotzdem lässt sich jede einzeln ansprechen: einschalten, dimmen, auf eine Lichtfarbe stellen oder abfragen, ob sie funktioniert.
Der DALI-Bus: Zahlen, die Sie kennen sollten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Leuchten je DALI-Strang | bis zu 64 Betriebsgeräte, jedes mit eigener Adresse |
| Gruppen je Strang | 16 nach Standard; manche Gateways bieten mehr |
| Lichtszenen je Strang | 16 |
| Steuerleitung | zwei Adern, ohne Rücksicht auf die Polarität anzuschließen |
| Spannung auf dem Bus | rund 16 Volt Gleichspannung, erzeugt vom Netzteil im Gateway |
| Leitungslänge | bis 300 Meter bei 1,5 mm² Aderquerschnitt, bei dünneren Adern weniger |
Wer mehr als 64 Leuchten hat, braucht einen zweiten Strang. Viele Gateways haben deshalb zwei DALI-Ausgänge und steuern bis zu 128 Leuchten. Für ein Einfamilienhaus reicht fast immer ein Gateway.
DALI und KNX: wie beide zusammenarbeiten
KNX und DALI sind keine Konkurrenten. KNX ist das Nervensystem des ganzen Hauses, DALI ist auf Licht spezialisiert. Verbunden werden beide durch ein KNX-DALI-Gateway. Es sitzt als Reiheneinbaugerät im Verteiler, erzeugt die Spannung für den DALI-Bus und übersetzt KNX-Befehle in DALI-Befehle.
Für Sie als Bauherr ändert sich an der Bedienung nichts. Nach der Grundregel aus dem Artikel Aktor und Sensor liefern KNX-Taster und Präsenzmelder das Wenn. Das DALI-Gateway übernimmt beim Licht die Rolle des Aktors und führt das Dann aus: „Wenn jemand den Raum betritt, dann dimmen die Downlights auf 60 Prozent.“ Auch Szenen, Zeitprogramme, die App und die Sprachsteuerung funktionieren wie gewohnt, weil das Gateway jede DALI-Gruppe als KNX-Funktion bereitstellt.
Mit DALI-2 können zusätzlich eigene DALI-Taster und DALI-Präsenzmelder direkt am DALI-Strang hängen. Im KNX-Haus ist das selten nötig, weil Taster und Melder dort ohnehin am KNX-Bus sitzen.
DALI oder KNX-Dimmaktor?
Dimmbares Licht lässt sich im KNX-Haus auf zwei Wegen steuern. Ein KNX-Dimmaktor regelt die Leistung direkt. Dafür braucht jede Lichtgruppe eine eigene Leitung vom Verteiler, und alle Leuchten einer Gruppe dimmen gemeinsam. Ein DALI-Gateway sendet nur Steuerbefehle, gedimmt wird in jeder Leuchte selbst.
| Merkmal | KNX-Dimmaktor | DALI-Gateway |
|---|---|---|
| Leitungen | Eine je Lichtgruppe zum Verteiler | Eine gemeinsame Leitung für viele Leuchten |
| Gruppen ändern | Nur durch Umverdrahten | Jederzeit in der Programmierung |
| Einzelne Leuchte ansteuern | Nur mit eigenem Kanal | Immer möglich |
| Lichtfarbe (Tunable White) | Nur mit Zusatzgeräten | Mit passenden Treibern und Gateway |
| Rückmeldung | Schaltzustand und Helligkeit | Zusätzlich Ausfall einzelner Leuchten und Betriebsstunden |
| Leuchten | Fast alle dimmbaren Leuchten | Nur Leuchten mit DALI-Betriebsgerät |
| Kosten | Günstig bei wenigen Lichtgruppen | Gateway und DALI-Treiber kosten mehr, lohnen sich bei vielen Leuchten |
Ein Vorteil von DALI wird oft unterschätzt: LED-Leuchten mit Dimmaktoren zu dimmen, klappt nicht immer sauber. Je nach Leuchtmittel flackert das Licht, brummt, oder es lässt sich nicht weit herunterdimmen. Bei DALI regelt der Treiber in der Leuchte selbst, der auf die LED abgestimmt ist. Das Ergebnis ist meist gleichmäßiger und reicht bis zu sehr niedrigen Helligkeiten.
Wann lohnt sich DALI im Wohnhaus?
- Viele Downlights oder LED-Bänder: Ein offener Wohn-, Ess- und Küchenbereich hat schnell 20 und mehr Leuchten. Mit DALI entscheiden Sie später, welche zusammen schalten.
- Lichtfarbe nach Tageszeit: Morgens kühles, aktivierendes Licht, abends warmes. Das nennt man Tunable White oder Human Centric Lighting. Dafür braucht es Treiber, die die Farbe steuern können (DALI-Gerätetyp 8), und ein Gateway, das diese Funktion unterstützt.
- Farbiges Licht: RGB- und RGBW-Leuchten, etwa für Akzentbeleuchtung, lassen sich mit geeigneten Gateways ebenfalls über DALI steuern.
- Hochwertiges Dimmen: Wer Wert auf flackerfreies Licht bis in die niedrigsten Stufen legt, ist mit DALI meist besser bedient.
Weniger sinnvoll ist DALI, wenn es im Haus nur wenige dimmbare Lichtgruppen gibt oder vorhandene Leuchten weiter genutzt werden sollen, die kein DALI können. Dann ist der KNX-Dimmaktor die einfachere und günstigere Lösung. Beides lässt sich kombinieren: DALI im Wohnbereich, Dimm- und Schaltaktoren im übrigen Haus.
DALI richtig verkabeln
- Fünfadrige Leitung: Üblich ist eine Mantelleitung mit fünf Adern, etwa NYM-J 5 × 1,5 mm². Drei Adern führen die Netzspannung, zwei sind die DALI-Steueradern. So reicht eine einzige Leitung zu jeder Leuchte.
- Freie Struktur: Die Leuchten eines Strangs lassen sich in Linie, sternförmig oder verzweigt verbinden. Nur einen geschlossenen Ring sieht DALI nicht vor.
- Grenzen beachten: höchstens 64 Leuchten und 300 Meter Leitung je Strang, bei 1,5 mm².
- Im Rohbau vorsorgen: Wer sich noch nicht festlegen will, verlegt zu allen Deckenauslässen im Wohnbereich gleich fünfadrige Leitungen. Die zwei zusätzlichen Adern kosten wenig und halten die Entscheidung für DALI offen.
- Stromsparen im Aus-Zustand: DALI-Treiber verbrauchen auch ausgeschaltet etwas Strom. Wer das vermeiden will, schaltet die Netzspannung der Leuchten zusätzlich über einen Schaltaktor ab, wenn alles aus ist.
DALI und DALI-2
DALI-2 ist die weiterentwickelte Fassung des Standards. Geräte mit DALI-2 werden auf ihr Zusammenspiel geprüft und zertifiziert, sodass Leuchten und Gateways verschiedener Hersteller zuverlässiger zusammenarbeiten. Außerdem regelt DALI-2 erstmals einheitlich Taster, Präsenzmelder und Lichtsensoren am DALI-Strang. DALI-2-Gateways steuern auch ältere DALI-Leuchten. Achten Sie bei neuen Leuchten trotzdem auf DALI-2, weil das Zusammenspiel dann geprüft ist.
Was kostet DALI?
Die größte Einzelposition ist das Gateway. Laut den aktuellen Katalogen kostet zum Beispiel ein KNX-DALI-Gateway von ABB als Basic-Version mit einem Ausgang 411 Euro und mit zwei Ausgängen 485 Euro. Die Premium-Versionen mit Tunable White kosten 520 und 593 Euro. Das DALI Gateway Colour von Gira kostet mit einem DALI-System 537,60 Euro und mit zwei Systemen 624,64 Euro. Alle Preise sind unverbindliche Listenpreise ohne Mehrwertsteuer.
Dazu kommt der Aufpreis für Leuchten mit DALI-Treiber. Er hängt stark vom Leuchtenhersteller ab. Dafür sparen Sie Dimmkanäle und oft Leitungen zum Verteiler. Bei vielen Leuchten gleicht sich das teilweise aus. Hinzu kommt etwas mehr Aufwand bei der Inbetriebnahme: Jede Leuchte bekommt ihre Adresse und wird ihren Gruppen zugeordnet. Bei vielen aktuellen Gateways geschieht das direkt in der ETS.
Klären Sie die Frage DALI oder Dimmaktor, bevor die Leuchten bestellt und die Leitungen verlegt werden. Sprechen Sie mit dem Leuchtenplaner oder Elektrofachbetrieb über DALI-Treiber, und lassen Sie im Wohnbereich fünfadrige Leitungen verlegen. Welche Lichtfunktionen Sie Raum für Raum möchten, können Sie vorab im KNX-Planer festlegen.
Häufige Fragen
Was bedeutet DALI?
DALI steht für Digital Addressable Lighting Interface. Es ist ein international genormter Bus nur für die Lichtsteuerung (IEC 62386). Jede Leuchte bekommt eine eigene Adresse und lässt sich einzeln oder in Gruppen schalten und dimmen.
Brauche ich mit KNX überhaupt DALI?
Nicht zwingend. Mit KNX-Dimmaktoren lässt sich Licht ebenfalls dimmen. DALI lohnt sich vor allem bei vielen dimmbaren Leuchten, wenn Gruppen flexibel bleiben sollen oder wenn sich die Lichtfarbe nach Tageszeit ändern soll.
Wie viele Leuchten passen an ein DALI-Gateway?
An einen DALI-Strang passen bis zu 64 Leuchten mit DALI-Betriebsgerät. Gateways mit zwei Ausgängen steuern bis zu 128 Leuchten. Für ein Einfamilienhaus reicht meist ein Gateway.
Welche Leitung brauche ich für DALI?
Üblich ist eine fünfadrige Leitung, etwa NYM-J 5 × 1,5 mm². Drei Adern führen die Netzspannung, zwei die DALI-Steuerung. Die Polarität der Steueradern spielt keine Rolle, und ein Strang darf bis zu 300 Meter lang sein.
Kann ich normale LED-Lampen mit DALI dimmen?
Nein. DALI braucht Leuchten oder LED-Treiber mit DALI-Schnittstelle. Lampen mit Schraubsockel lassen sich darüber nicht steuern. Sie werden über einen Dimmaktor gedimmt, sofern sie dimmbar sind.
Was ist der Unterschied zwischen DALI und DALI-2?
DALI-2 ist die weiterentwickelte Fassung mit geprüftem Zusammenspiel der Geräte und einheitlichen Regeln für Taster und Sensoren am DALI-Strang. DALI-2-Gateways steuern auch ältere DALI-Leuchten.
Was kostet ein DALI-Gateway für KNX?
Laut aktuellen Herstellerkatalogen etwa 410 bis 625 Euro netto Listenpreis, je nach Hersteller, Zahl der Ausgänge und ob Tunable White unterstützt wird. Hinzu kommen die Aufpreise für Leuchten mit DALI-Treiber.
KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.