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KNX-Präsenzmelder: warum jeder Raum einen braucht

Der Präsenzmelder ist das wichtigste Wenn im automatisierten Haus. Er weiß, ob jemand im Raum ist, und fast jede Automatik hängt an genau dieser Information: Licht, Heizung, Lüftung, Alarm und sogar die Kaffeemaschine.

Von der KnowNX-Redaktion, aktualisiert am

Kurz gesagt

  • Ein Präsenzmelder erkennt, ob ein Raum belegt ist, auch wenn sich jemand kaum bewegt. Meist misst er zusätzlich die Helligkeit.
  • Er liefert das Wenn für Dutzende Funktionen: Licht, Heizen und Lüften, Beschattung, Sicherheit, Komfort und Energiesparen.
  • Ohne Präsenzmelder muss jemand eine Taste drücken, oder das Haus rät anhand der Uhrzeit.
  • Planen Sie in jedem Raum eine Deckendose mit Busleitung ein, auch wenn Sie den Melder erst später kaufen.

Warum ohne Präsenzmelder kaum etwas automatisch geht

Ein automatisiertes Haus soll Dinge tun, ohne dass jemand eine Taste drückt. Dafür muss es vor allem eines wissen: Ist gerade jemand in diesem Raum, und ist überhaupt jemand zu Hause? Diese Information liefert der Präsenzmelder, und zwar für jeden Raum einzeln.

Im Artikel Aktor und Sensor steht die Grundregel: Der Sensor liefert das Wenn, der Aktor führt das Dann aus. Schreiben Sie Ihre Wünsche als Wenn-Dann-Sätze auf, fällt auf, wie viele mit „Wenn jemand im Raum ist“ oder „Wenn niemand mehr da ist“ beginnen. Genau das kann nur ein Präsenzmelder beantworten. Ohne ihn bleiben nur zwei Ersatzlösungen: Jemand drückt eine Taste, oder das Haus schaltet nach der Uhrzeit und liegt damit regelmäßig daneben.

Ein Präsenzmelder, viele Funktionen In der Mitte steht der Präsenzmelder mit der Information Raum belegt oder leer. Davon gehen Linien zu sechs Bereichen: Licht, Heizen und Kühlen, Lüftung, Beschattung, Sicherheit sowie Komfort und Energie. Licht Heizen und Kühlen Lüftung Beschattung Sicherheit Komfort und Energie Präsenzmelder Wenn: Raum belegt oder seit einer Weile leer
Ein einziges Gerät liefert das Wenn für alle sechs Bereiche. Das Dann führen die Aktoren aus.

Präsenzmelder oder Bewegungsmelder?

Beide Geräte erkennen Menschen, aber unterschiedlich genau. Ein Bewegungsmelder reagiert auf größere Bewegungen, etwa wenn jemand einen Weg entlanggeht. Ein Präsenzmelder erkennt auch kleine Bewegungen, zum Beispiel am Schreibtisch oder auf dem Sofa, und bemerkt deshalb, dass ein Raum weiterhin belegt ist.

MerkmalPräsenzmelderBewegungsmelder
ErkenntAuch kleine Bewegungen, etwa Tippen oder UmblätternGrößere Bewegungen, etwa Gehen
HelligkeitMisst genau, oft für Konstantlicht geeignetEinfache Dämmerungsschwelle
EinsatzInnenräume, an der DeckeVor allem außen, an der Wand
Typische FunktionLicht, Heizung, Lüftung, Alarm, KomfortAußenlicht, Alarm am Grundstück

Die meisten Präsenzmelder arbeiten mit Infrarot: Sie bemerken, wenn sich Wärme im Raum verändert. Daneben gibt es Melder mit Hochfrequenz oder Radar, die auch fast reglose Menschen erkennen, etwa beim Lesen. Keiner dieser Melder arbeitet mit einer Kamera. Er meldet nur, ob jemand da ist, nicht wer.

37 Funktionen, die am Präsenzmelder hängen

Die folgende Liste zeigt, was ein Präsenzmelder im Wohnhaus auslösen kann. Für das Dann braucht es jeweils einen Aktor, etwa einen Dimmkanal, einen Jalousiekanal oder eine schaltbare Steckdose. Einige Funktionen kombinieren mehrere Melder oder brauchen ein Logikmodul. Der Präsenzmelder selbst ist aber immer derselbe.

Licht

  • Licht beim Betreten: Wenn jemand den Raum betritt und es dunkel genug ist, geht das Licht an. Niemand muss nach dem Schalter suchen.
  • Licht aus beim Verlassen: Wenn der Raum eine einstellbare Zeit leer ist, geht das Licht aus, auch wenn es von Hand eingeschaltet wurde. Vergessenes Licht im Kinderzimmer, Keller oder in der Garage gibt es nicht mehr.
  • Nur bei Dunkelheit: Wenn genug Tageslicht im Raum ist, bleibt das Licht aus. Der Melder misst die Helligkeit selbst, ein eigener Lichtsensor ist nicht nötig.
  • Konstantlicht: Wenn draußen Wolken aufziehen, regelt eine dimmbare Leuchte im Arbeitszimmer stufenlos nach und hält die Helligkeit am Schreibtisch gleich.
  • Gedimmtes Licht in der Nacht: Wenn nachts jemand ins Bad geht, leuchtet das Licht nur gedimmt und blendet nicht.
  • Orientierungslicht: Wenn sich nachts im Schlafzimmer jemand aufsetzt, leuchtet ein schwaches Licht in Bodennähe.
  • Lichtweg: Wenn nachts jemand das Schlafzimmer verlässt, gehen Flur und Bad gedimmt an, Raum für Raum dort, wo er gerade ist.
  • Halbautomatik: Wenn der Raum leer ist, geht das Licht aus, eingeschaltet wird aber nur von Hand. Das passt in Wohn- und Schlafzimmer, wo nicht jeder Schritt Licht auslösen soll.
  • Lichtstimmung nach Tageszeit: Wenn morgens jemand die Küche betritt, kommt helles, kühles Licht, abends warmes und gedämpftes. Die Lichtfarbe lässt sich nur mit passenden Leuchten ändern.
  • Spiegellicht: Wenn jemand am Waschtisch steht, geht die Spiegelbeleuchtung an.
  • Treppe und Flur: Wenn jemand die Treppe betritt, sind die Stufen beleuchtet, bevor der erste Fuß darauf steht.
  • Volle Hände: Wenn jemand mit dem Wäschekorb in den Hauswirtschaftsraum oder mit Einkäufen in die Garage kommt, ist das Licht schon an.

Heizen, Kühlen und Lüften

  • Heizen nach Belegung: Wenn ein Raum längere Zeit leer ist, senkt die Heizung um ein bis zwei Grad ab. Kommt jemand zurück, wird wieder normal geheizt. Bei einer trägen Fußbodenheizung ist der Effekt kleiner als bei Heizkörpern.
  • Bad vorheizen: Wenn morgens die erste Bewegung im Schlafzimmer erkannt wird, heizt der Handtuchheizkörper im Bad auf.
  • Kühlen nur bei Belegung: Wenn niemand im Raum ist, bleibt das Klimagerät aus oder kühlt nur auf eine höhere Temperatur.
  • Lüfter mit Nachlauf: Wenn jemand das Bad verlässt, läuft der Lüfter noch einige Minuten weiter. Zusammen mit einem Feuchtesensor läuft er nur so lange wie nötig.
  • Lüftungsstufe nach Belegung: Wenn mehrere Räume belegt sind oder Besuch da ist, schaltet die Lüftungsanlage eine Stufe höher. Ist das Haus leer, läuft sie auf der kleinsten Stufe.
  • Erinnerung an das offene Fenster: Wenn ein Fenster offen ist und niemand mehr im Raum ist, kommt nach einer Weile eine Erinnerung. Dafür braucht es zusätzlich einen Fensterkontakt.

Beschattung

  • Hitzeschutz im leeren Raum: Wenn im Sommer niemand im Raum ist und die Sonne auf das Fenster scheint, schließen Rollläden oder Raffstores ganz.
  • Blendschutz statt Dunkelheit: Wenn jemand im Raum ist, fahren die Raffstores nur so weit, dass die Sonne nicht blendet. Die Lamellen bleiben schräg, damit Tageslicht hereinkommt.
  • Rücksicht am Morgen: Wenn am Wochenende im Flur noch keine Bewegung war, bleiben die Rollläden im Schlafzimmer unten, bis der Erste aufsteht. Im übrigen Haus fahren sie schon hoch.

Sicherheit

  • Bewegung bei Abwesenheit melden: Wenn alle aus dem Haus sind und trotzdem eine Bewegung erkannt wird, kommt eine Meldung auf das Smartphone.
  • Abschrecken: Wenn bei Abwesenheit eine Bewegung erkannt wird, gehen im ganzen Haus die Lichter an.
  • Ist das Haus wirklich leer?: Wenn beim Verlassen in einem Raum noch jemand ist, warnt das Haus, bevor es alles ausschaltet oder die Überwachung einschaltet.
  • Automatisch abwesend: Wenn längere Zeit in keinem Raum eine Bewegung erkannt wird, schlägt das Haus den Abwesenheitsmodus vor oder schaltet ihn selbst ein.
  • Lebenszeichen: Wenn bei einem älteren Bewohner bis zu einer bestimmten Uhrzeit keine Bewegung erkannt wird, bekommen Angehörige eine Nachricht.
  • Kamera einschalten: Wenn bei Abwesenheit im Flur eine Bewegung erkannt wird, startet die Aufzeichnung der Innenkamera. Dafür muss das Kamerasystem mit der Anlage verbunden sein.
  • Klingel bei Abwesenheit: Wenn niemand zu Hause ist und es klingelt, geht die Meldung auf das Smartphone statt nur an den Gong im Flur.
  • Anwesenheitssimulation: Wenn Sie verreist sind, schalten Licht und Rollläden so, als wäre jemand da. Manche Logikserver merken sich dafür, wann welche Räume tatsächlich genutzt werden.

Wichtig: Diese Funktionen ersetzen keine zertifizierte Einbruchmeldeanlage, wie sie Versicherungen verlangen können. Sie sind aber eine wirksame Ergänzung, weil die Melder ohnehin in jedem Raum hängen.

Komfort und Energie

  • Kaffeemaschine: Wenn morgens die erste Bewegung in der Küche erkannt wird, heizt die Kaffeemaschine vor. Am elegantesten geht das mit vernetzten Geräten, etwa Kaffeevollautomaten von Miele mit WLAN und Miele@home: Sie werden direkt eingeschaltet, angebunden über eine Smart-Home-Zentrale wie Home Assistant (siehe Miele@home und KNX). Einfachere Maschinen startet eine schaltbare Steckdose, sofern sie nach dem Einschalten von selbst anlaufen.
  • Warmes Wasser ohne Warten: Wenn jemand Bad oder Küche betritt, läuft die Zirkulationspumpe kurz an. Warmes Wasser kommt schneller, und die Pumpe läuft nicht den ganzen Tag.
  • Standby aus: Wenn das Wohnzimmer eine Stunde leer ist, schaltet die schaltbare Steckdose Fernseher, Verstärker und Spielkonsole ganz ab.
  • Musik, die mitgeht: Wenn jemand von der Küche ins Wohnzimmer geht, wandert die Musik mit. Dafür muss das Musiksystem eingebunden sein, zum Beispiel über einen Server.
  • Display weckt auf: Wenn jemand vor dem Touchpanel steht, schaltet das Display ein. Sonst bleibt es dunkel und spart Strom.
  • Willkommen zu Hause: Wenn nach längerer Abwesenheit die erste Bewegung im Eingang erkannt wird, geht eine Begrüßungsszene an, etwa Licht im Flur und gedimmtes Licht im Wohnzimmer.
  • Überblick in der App: Die App zeigt, in welchen Räumen gerade jemand ist und wo noch Licht brennt, ohne dass Sie durchs Haus gehen müssen.
  • Zeitpläne nach dem echten Leben: Mit den Belegungsdaten lassen sich Heiz- und Lichtzeiten an den tatsächlichen Tagesablauf anpassen statt an Schätzungen.

Präsenzmelder richtig planen

  • Jeder Raum: Wohn- und Schlafräume, Küche, Bad und WC, Flur und Treppe, aber auch Abstellraum, Hauswirtschaftsraum, Keller und Garage. Gerade in den Nebenräumen spart der Melder am meisten vergessenes Licht.
  • Große und verwinkelte Räume: Ein Melder sieht einen Kreis von einigen Metern Durchmesser. In großen oder L-förmigen Räumen braucht es mehrere. Der KNX-Planer rechnet mit einem Melder je angefangene 40 Quadratmeter.
  • Deckendose im Rohbau: Legen Sie in jedem Raum eine Busleitung zu einer Dose an der Decke, auch wenn Sie den Melder erst später kaufen. Nachträglich eine Leitung zur Decke zu ziehen, ist teuer und macht Schmutz.
  • Der richtige Platz: Möglichst mittig über dem Bereich, in dem man sich aufhält. Nicht direkt über Heizkörpern oder Lüftungsauslässen, denn warme Luft kann den Melder stören.
  • Bad mit Glasdusche: Infrarot sieht nicht durch Glas. Wer duscht, ist für den Melder unsichtbar. Abhilfe schafft eine längere Nachlaufzeit oder ein Melder mit Hochfrequenz.
  • Schlafzimmer: Hier sollte der Melder das Licht nur ausschalten, nicht einschalten, sonst geht beim Umdrehen das Licht an. Für Orientierungslicht, Heizung und Alarm ist er trotzdem wertvoll.
  • Haustiere: Hund und Katze lösen Präsenzmelder aus. Für die Alarmfunktion bei Abwesenheit nutzt man dann nur Melder in Räumen ohne Tiere oder bestätigt Meldungen mit einer Kamera.
  • Kosten: Ein einfacher KNX-Präsenzmelder kostet laut aktuellen Herstellerkatalogen rund 120 bis 140 Euro netto Listenpreis, etwa der Präsenzmelder Mini von Busch-Jaeger oder Gira. Geräte mit Konstantlichtregelung, mehreren Kanälen oder Temperaturfühler kosten mehr.
Tipp für Bauherren

Wer heute auf den Präsenzmelder in einem Raum verzichtet, verzichtet auf alle Funktionen dieser Liste in diesem Raum. Planen Sie deshalb zumindest die Deckendose mit Busleitung überall ein. Der KNX-Planer plant deshalb in jedem Innenraum einen Präsenzmelder ein, einen je angefangene 40 Quadratmeter. Wo Sie keinen möchten, wählen Sie ihn im Raum ab. Einen Melder zählt der Planer pro Raum nur einmal, egal wie viele Funktionen ihn nutzen.

Häufige Fragen

Braucht wirklich jeder Raum einen Präsenzmelder?

Fast jeder. In einer sehr kleinen Abstellkammer genügt auch ein einfacher Bewegungsmelder oder ein Türkontakt. In allen übrigen Räumen hängen am Präsenzmelder so viele Funktionen, dass er sich lohnt. Mindestens die Deckendose mit Busleitung sollte jeder Raum bekommen.

Was ist der Unterschied zwischen Präsenzmelder und Bewegungsmelder?

Ein Präsenzmelder erkennt auch kleine Bewegungen, etwa am Schreibtisch, und merkt deshalb, dass ein Raum belegt bleibt. Er misst außerdem die Helligkeit genau. Ein Bewegungsmelder reagiert auf größere Bewegungen und wird vor allem außen eingesetzt.

Geht im Schlafzimmer nachts das Licht an, wenn ich mich umdrehe?

Nur, wenn es so eingestellt ist. Üblich ist im Schlafzimmer die Halbautomatik: Eingeschaltet wird von Hand, ausgeschaltet automatisch. Nachts kann der Melder statt des Deckenlichts ein schwaches Orientierungslicht schalten.

Erkennt ein Präsenzmelder, wer im Raum ist?

Nein. Er meldet nur, ob jemand da ist. Er hat keine Kamera und kann keine Personen unterscheiden. Wer im Haus ist, lässt sich über die Ortung der Smartphones feststellen, zum Beispiel mit einer App des Visualisierungsservers.

Lösen Haustiere den Alarm aus?

Ja, Präsenzmelder reagieren auch auf Hund und Katze. Für die Meldung bei Abwesenheit nutzt man dann nur Melder in Räumen, in denen keine Tiere sind, oder lässt sich die Meldung mit einem Kamerabild bestätigen.

Kann ich Präsenzmelder später nachrüsten?

Ja, wenn im Rohbau eine Busleitung zur Decke gelegt wurde. Dann wird nur der Melder eingesetzt und programmiert. Ohne Leitung bleibt ein Funkmelder, der über ein Gateway eingebunden wird. Das ist möglich, aber weniger zuverlässig und teurer.

KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.

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