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KNX Gruppenadressen erklärt: Struktur und Beispiele

Gruppenadressen sind das Herzstück jeder KNX-Programmierung. Sie legen fest, welcher Taster welches Licht schaltet. Dieser Artikel erklärt das Prinzip, die übliche Struktur und den Unterschied zur physikalischen Adresse.

Von der KnowNX-Redaktion, aktualisiert am

Kurz gesagt

  • Die physikalische Adresse, etwa 1.1.12, benennt ein Gerät eindeutig und wird zum Programmieren gebraucht.
  • Die Gruppenadresse, etwa 1/2/3, benennt eine Funktion, zum Beispiel „Licht Küche Ein/Aus“.
  • Sensoren senden auf eine Gruppenadresse, alle Aktoren mit derselben Adresse reagieren darauf.
  • Eine klare Struktur der Gruppenadressen macht die Anlage auch nach Jahren verständlich.

Zwei Adressen mit verschiedenen Aufgaben

In KNX gibt es zwei Arten von Adressen, die oft verwechselt werden:

Physikalische AdresseGruppenadresse
Schreibweisemit Punkten, z. B. 1.1.12mit Schrägstrichen, z. B. 1/2/3
Benenntein Geräteine Funktion
Eindeutig?Ja, jedes Gerät hat genau eineNein, viele Geräte können dieselbe nutzen
Wofür?Programmieren und Diagnose mit der ETSDen täglichen Betrieb: Schalten, Dimmen, Melden

Die physikalische Adresse und die Topologie

Die physikalische Adresse besteht aus drei Zahlen: Bereich.Linie.Teilnehmer. Das Gerät 1.1.12 ist also der zwölfte Teilnehmer in Linie 1 von Bereich 1. Vergeben wird sie bei der Inbetriebnahme mit der ETS, meist durch Drücken der Programmiertaste am Gerät.

KNX-Topologie mit Bereich und Linien Eine Hauptlinie verbindet über Linienkoppler oder IP-Router zwei Linien. Linie 1.1 enthält Geräte mit den Adressen 1.1.1 bis 1.1.3, Linie 1.2 Geräte mit 1.2.1 und 1.2.2. Hauptlinie im Bereich 1 (oder Netzwerk mit IP-Routern) Koppler 1.1.0 Koppler 1.2.0 Linie 1.1Linie 1.2 1.1.1 1.1.2 1.1.3 1.2.1 1.2.2
Die physikalische Adresse spiegelt die Topologie: Bereich, Linie und Teilnehmer.

Eine Linie ist ein zusammenhängender Busabschnitt mit eigener Spannungsversorgung. Ein Liniensegment trägt bis zu 64 Teilnehmer, über Linienverstärker lässt sich eine Linie erweitern. Mehrere Linien werden über Linienkoppler oder IP-Router zu einem Bereich verbunden, mehrere Bereiche zu einer großen Anlage. Ein Einfamilienhaus kommt meist mit einer oder zwei Linien aus.

Für die Verkabelung einer Linie gelten Grenzen, die Ihr Elektrofachbetrieb einhält: höchstens 1.000 Meter Leitung je Segment, höchstens 350 Meter zwischen Spannungsversorgung und Gerät und höchstens 700 Meter zwischen zwei Geräten.

So funktionieren Gruppenadressen

Jedes KNX-Gerät hat Kommunikationsobjekte. Das sind seine Ein- und Ausgänge auf dem Bus, etwa „Taste links: Schalten“ beim Taster oder „Kanal A: Schalten“ beim Aktor. In der ETS werden Kommunikationsobjekte mit Gruppenadressen verknüpft:

  • Ein Sensor sendet seine Telegramme auf eine Gruppenadresse.
  • Jeder Aktor, dessen Objekt mit dieser Gruppenadresse verknüpft ist, empfängt das Telegramm und reagiert.
  • Ein Objekt kann auf mehrere Gruppenadressen hören, sendet aber nur auf eine.
Verknüpfung über eine Gruppenadresse Ein Taster in der Küche und ein Zentraltaster an der Haustür senden auf die Gruppenadresse 1/1/1. Der Schaltaktor-Kanal für das Küchenlicht hört auf diese Adresse und schaltet. Taster Küchesendet auf 1/1/1 Taster Haustürsendet auf 1/0/0 1/1/1Licht Küche Ein/Aus 1/0/0Licht zentral Aus SchaltaktorKanal A: Küchehört auf 1/1/1 und 1/0/0
Ein Aktorkanal kann auf mehrere Gruppenadressen hören, hier auf den Küchentaster und auf „Alles aus“ an der Haustür.

So entsteht zum Beispiel die Funktion „Alles aus“: Der Taster an der Haustür sendet auf 1/0/0, und jeder Lichtkanal im Haus hört zusätzlich auf diese Adresse. Dafür ist keine einzige zusätzliche Leitung nötig.

Status-Gruppenadressen

Damit ein Taster mit Leuchtdiode anzeigt, ob das Licht wirklich an ist, meldet der Aktor seinen Zustand zurück. Dafür wird eine eigene Status-Gruppenadresse angelegt, etwa 1/1/101 für „Licht Küche Status“. Auch Visualisierungen und Apps lesen diese Rückmeldungen.

Die dreistufige Struktur

Üblich ist die dreistufige Schreibweise Hauptgruppe/Mittelgruppe/Untergruppe. Die Hauptgruppe reicht von 0 bis 31, die Mittelgruppe von 0 bis 7 und die Untergruppe von 0 bis 255. Wie Sie die Stufen belegen, ist frei. Zwei Strukturen haben sich bewährt:

StufeNach GewerkNach Gebäude
HauptgruppeGewerk, z. B. 1 = Licht, 2 = Beschattung, 3 = HeizungEtage, z. B. 1 = Erdgeschoss
MittelgruppeEtage, z. B. 1 = ErdgeschossRaum oder Gewerk
UntergruppeFunktion im RaumFunktion
Beispiel1/1/3 Licht, EG, Küche Ein/Aus1/2/3 EG, Küche, Licht Ein/Aus

Im Wohnungsbau ist die Struktur nach Gewerk am weitesten verbreitet. Sie bleibt übersichtlich, weil alle Lichtfunktionen beieinanderliegen und zentrale Befehle wie „Alle Rollläden ab“ leicht anzulegen sind.

Datenpunkttypen: was über eine Adresse gesendet wird

Jede Gruppenadresse transportiert eine bestimmte Art von Wert. Damit Sender und Empfänger sich verstehen, wird ein Datenpunkttyp (DPT) festgelegt:

DPTBedeutungBeispiel
1.001Schalten Ein/AusLicht, Steckdose
1.008Auf/AbRollladen fahren
3.007Relatives DimmenHeller oder dunkler bei langem Tastendruck
5.001Prozentwert 0 bis 100Helligkeit, Behangposition
9.001Temperatur in Grad CelsiusRaumtemperatur, Sollwert

Tipps für Bauherren

  • Lassen Sie sich die Struktur der Gruppenadressen vor der Programmierung zeigen und achten Sie auf sprechende Namen wie „EG Küche Licht Decke Ein/Aus“.
  • Halten Sie in jeder Mittelgruppe Nummern frei. Spätere Erweiterungen fügen sich dann ohne Umbau ein.
  • Fordern Sie die Gruppenadressen auch als Liste an. Visualisierungen und Home Assistant lassen sich damit deutlich schneller einrichten.
Gut zu wissen

Die Gruppenadressen sind Teil der Projektdatei. Ohne diese Datei muss ein neuer Fachbetrieb die Adressen mühsam rekonstruieren. Warum Sie die Projektdatei unbedingt erhalten sollten, steht im Artikel über die ETS.

Häufige Fragen

Wie viele Gruppenadressen gibt es?

In der dreistufigen Struktur stehen 32 Hauptgruppen mit je 8 Mittelgruppen und je 256 Untergruppen zur Verfügung, zusammen rund 65.000 Adressen. Ein Einfamilienhaus nutzt meist einige hundert.

Braucht jede Funktion eine eigene Gruppenadresse?

Jede eigenständige Funktion braucht eine eigene Adresse, also etwa Schalten, Dimmen und Status einer Leuchte jeweils getrennt. Zentrale Befehle nutzen zusätzliche gemeinsame Adressen.

Kann man die Struktur später ändern?

Ja, in der ETS lassen sich Gruppenadressen umbenennen und verschieben. Danach müssen die betroffenen Geräte neu programmiert werden. Eine durchdachte Struktur von Anfang an spart diesen Aufwand.

Was ist der Unterschied zwischen zweistufigen und dreistufigen Gruppenadressen?

Es ist nur eine andere Darstellung derselben Adresse. Dreistufig mit Haupt-, Mittel- und Untergruppe ist im Wohnungsbau Standard, weil sie sich gut nach Gewerk, Etage und Funktion gliedern lässt.

KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.

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