ETS erklärt: die KNX-Software für Planung und Programmierung
Die ETS ist die KNX-Software, mit der jede KNX-Anlage geplant und programmiert wird, unabhängig vom Hersteller der Geräte. Jede KNX-Anlage wird mit derselben Software programmiert: der ETS. Hier erfahren Sie, was die ETS macht, welche Lizenzen es gibt, ob Sie selbst programmieren können und warum die Projektdatei das wichtigste Dokument Ihrer Anlage ist.
Kurz gesagt
- Die ETS (Engineering Tool Software) ist das herstellerübergreifende Programm zum Planen und Programmieren von KNX.
- Sie wird von der KNX Association herausgegeben. Aktuell ist die ETS6.
- Für den täglichen Betrieb der Anlage wird die ETS nicht gebraucht, nur für Änderungen.
- Die Projektdatei aus der ETS sollten Sie sich bei der Übergabe immer aushändigen lassen.
Was ist die ETS?
ETS steht für Engineering Tool Software. Mit ihr werden KNX-Anlagen geplant, in Betrieb genommen und gewartet. Herausgeber ist die KNX Association, also die Organisation hinter dem Standard, nicht ein einzelner Hersteller. Darin liegt ein großer Vorteil: Mit derselben Software lassen sich Geräte aller KNX-Hersteller programmieren. Die aktuelle Generation ist die ETS6, die 2021 erschien und seitdem regelmäßig aktualisiert wird. Sie läuft unter Windows.
Die ETS ist kein Bedienprogramm für den Alltag. Ist die Anlage einmal programmiert, arbeiten die Sensoren und Aktoren selbstständig. Die ETS kommt erst wieder zum Einsatz, wenn etwas geändert oder erweitert werden soll.
So wird eine Anlage mit der ETS programmiert
- Produktdaten laden: Jeder Hersteller stellt für seine Geräte Produktdatenbanken bereit. Sie enthalten die Applikation, also die Software des Geräts mit allen Einstellmöglichkeiten.
- Gebäude anlegen: Im Projekt werden Gebäude, Etagen und Räume angelegt und die Geräte den Räumen zugeordnet.
- Parameter einstellen: Für jedes Gerät wird festgelegt, wie es sich verhalten soll, etwa die Nachlaufzeit eines Präsenzmelders oder die Fahrzeit eines Rollladens.
- Gruppenadressen verknüpfen: Die Kommunikationsobjekte der Geräte werden über Gruppenadressen miteinander verbunden. Erst dadurch weiß der Aktor, auf welchen Taster er hört.
- Physikalische Adressen vergeben: Jedes Gerät erhält seine eindeutige Adresse, meist über die Programmiertaste am Gerät.
- Programmieren: Über eine USB- oder IP-Schnittstelle überträgt die ETS die Einstellungen in die Geräte.
- Prüfen: Mit dem Gruppenmonitor lassen sich alle Telegramme auf dem Bus mitlesen. So werden Fehler schnell gefunden.
ETS-Lizenzen im Überblick
Die ETS gibt es in mehreren Lizenzen, die sich vor allem in der Zahl der Geräte pro Projekt unterscheiden:
| Lizenz | Umfang | Geeignet für |
|---|---|---|
| ETS Demo | Bis 5 Geräte pro Projekt | Ausprobieren und Kennenlernen, kostenlos |
| ETS Lite | Bis 20 Geräte pro Projekt | Kleine Anlagen, Wohnungen, Lernprojekte |
| ETS Home | Bis 64 Geräte, ein Projekt | Private Bauherren mit einem Einfamilienhaus |
| ETS Professional | Ohne Beschränkung | Elektrofachbetriebe und Systemintegratoren |
Gezählt werden Geräte, nicht Kanäle. Ein Schaltaktor mit 16 Kanälen ist ein Gerät. Ein gut geplantes Einfamilienhaus kommt häufig mit 40 bis 60 Geräten aus, größere Häuser mit vielen Präsenzmeldern und Raumsensoren überschreiten die Grenze der Home-Lizenz aber schnell. Aktuelle Preise und Bedingungen nennt die KNX Association in ihrem Online-Shop. Über das kostenlose Einsteiger-Training der KNX Association gibt es regelmäßig Gutscheine für die Home-Lizenz.
Die Projektdatei: das wichtigste Dokument Ihrer Anlage
Alles, was in der ETS eingestellt wurde, steckt in der Projektdatei mit der Endung .knxproj. Ohne sie lässt sich eine KNX-Anlage zwar weiter benutzen, aber nur mit großem Aufwand ändern. Ein anderer Fachbetrieb müsste die Programmierung aus den Geräten rekonstruieren.
Vereinbaren Sie schon im Angebot, dass Ihnen bei der Übergabe die aktuelle Projektdatei, das Projektpasswort, die Liste der Gruppenadressen und bei KNX-Secure-Geräten die Sicherheitsschlüssel ausgehändigt werden. Bewahren Sie alles an zwei Orten auf, zum Beispiel auf einem USB-Stick und in einem Passwortmanager.
Die Projektdatei sichert Ihre Unabhängigkeit. Mit ihr kann jeder KNX-Fachbetrieb Ihre Anlage übernehmen, und Sie können selbst kleine Änderungen vornehmen, wenn Sie das möchten.
KNX Secure
Neuere Geräte unterstützen KNX Secure. Telegramme werden dann verschlüsselt und gegen Manipulation geschützt. Das ist vor allem bei Leitungen im Außenbereich sinnvoll, etwa zur Wetterstation oder zum Bewegungsmelder am Eingang, und beim Zugriff über das Netzwerk. Jedes Secure-Gerät hat einen eigenen Schlüssel, meist als QR-Code auf dem Gerät. Die ETS verwaltet diese Schlüssel im Projekt. Deshalb ist die Projektdatei bei Secure-Anlagen noch wichtiger.
KNX-Programmierung lernen
Wer die KNX-Programmierung ausprobieren möchte, kann mit der kostenlosen Software KNX Virtual beginnen, die eine kleine Anlage am Computer simuliert. Für die Programmierung ganzer Häuser gibt es Grundkurse an zertifizierten Schulungsstätten. Mehr dazu im Artikel KNX lernen.
Kann ich meine Anlage selbst programmieren?
Technisch ja, und viele technisch interessierte Bauherren tun das mit der ETS Home. Bedenken Sie aber drei Punkte:
- Lernaufwand: Die Grundlagen sind in wenigen Tagen verstanden, eine komplette Hausprogrammierung dauert für Einsteiger oft Wochen. Zertifizierte KNX-Schulungsstätten bieten Grundkurse an.
- Gewährleistung: Wenn Sie selbst in eine Anlage eingreifen, die ein Fachbetrieb errichtet hat, sprechen Sie das vorher ab. Sonst kann unklar werden, wer für einen Fehler verantwortlich ist.
- 230 Volt bleibt Sache des Fachbetriebs: Die Programmierung ist Software. Die Installation und alle Arbeiten an der Netzspannung gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.
Ein guter Mittelweg ist häufig: Der Fachbetrieb installiert und programmiert die Grundfunktionen, Sie übernehmen später Feinheiten wie Zeiten, Szenen oder neue Verknüpfungen.
Häufige Fragen
Läuft die ETS auch auf dem Mac?
Die ETS6 ist ein Windows-Programm. Auf einem Mac lässt sie sich über eine Windows-Virtualisierung nutzen, die Verbindung zur Anlage läuft dann am einfachsten über eine KNX-IP-Schnittstelle.
Brauche ich die ETS, um meine Anlage zu bedienen?
Nein. Bedient wird die Anlage über Taster, Präsenzmelder und auf Wunsch eine App oder Visualisierung. Die ETS ist nur für Programmierung und Änderungen nötig.
Kann ich das Projekt meines Elektrikers mit der ETS Home öffnen?
Ja, wenn das Projekt höchstens 64 Geräte enthält und Sie das Projektpasswort kennen. Projekte aus der ETS Professional lassen sich in diesem Rahmen auch mit der Home-Lizenz bearbeiten.
Was brauche ich, um mit der ETS auf meine Anlage zuzugreifen?
Einen Windows-Rechner mit ETS-Lizenz und eine Verbindung zum Bus, also eine KNX-USB-Schnittstelle oder eine KNX-IP-Schnittstelle im Verteiler. Die IP-Variante ist bequemer, weil sie über das Hausnetzwerk funktioniert.
KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.