KNX und Home Assistant: das Beste aus beiden Welten
KNX ist zuverlässig, aber nicht jedes Gerät im Haushalt spricht KNX. Home Assistant schließt diese Lücke: Die offene Software verbindet KNX mit Kaffeemaschine, Wechselrichter, Mähroboter, Musikanlage und Sprachassistenten. Hier erfahren Sie, wie das geht und wie Sie die Aufgaben sinnvoll verteilen.
Kurz gesagt
- Home Assistant ist eine kostenlose, offene Software für die Hausautomation. Sie läuft lokal auf einem kleinen Rechner im Haus.
- Die Verbindung zu KNX läuft über eine KNX-IP-Schnittstelle oder einen KNX-IP-Router; Home Assistant bringt dafür eine eigene KNX-Integration mit.
- Damit lassen sich Geräte ohne KNX einbinden, etwa Haushaltsgeräte, Photovoltaik, Wallbox, Sonos oder Mähroboter, und gemeinsame Automatiken bauen.
- Grundregel: Licht, Rollläden und Heizung laufen in KNX selbst. Home Assistant ergänzt, ersetzt aber nicht.
Was ist Home Assistant?
Home Assistant ist eine Open-Source-Software, die Geräte vieler Hersteller unter einer Oberfläche zusammenführt. Sie läuft auf einem kleinen Rechner im Haus, etwa einem Mini-PC oder einem eigens dafür angebotenen Gerät wie Home Assistant Green. Die Steuerung bleibt lokal; eine Cloud ist für die Grundfunktionen nicht nötig.
Für jedes System gibt es eine Integration, also einen Baustein, der die Verbindung herstellt. Die KNX-Integration gehört zum Lieferumfang.
So wird Home Assistant mit KNX verbunden
- KNX-IP-Schnittstelle oder IP-Router: Dieses Gerät im Verteiler verbindet den KNX-Bus mit dem Heimnetz. Mehr dazu im Artikel über die KNX-Systemgeräte.
- KNX-Integration einrichten: Home Assistant findet die Schnittstelle im Netz und verbindet sich.
- Gruppenadressen zuordnen: Jedes Licht, jeder Rollladen und jeder Messwert wird über seine Gruppenadresse eingebunden. Am einfachsten gelingt das mit dem Export aus der ETS-Projektdatei.
- KNX Secure: Ist die Anlage verschlüsselt, braucht Home Assistant die Schlüssel aus dem ETS-Projekt. Mehr dazu im Artikel über KNX Secure.
Danach sieht Home Assistant alle eingebundenen KNX-Funktionen und kann sie mit anderen Geräten verknüpfen.
Was Sie damit einbinden können
- Haushaltsgeräte: etwa Kaffeevollautomaten von Miele mit WLAN und Miele@home (ausführlich im Artikel Miele@home und KNX), die morgens vorheizen, wenn der Präsenzmelder in der Küche die erste Bewegung meldet.
- Energie: Wechselrichter, Speicher und Wallbox, damit Geräte bei Solarüberschuss laufen.
- Musik und Medien: Sonos, Spotify oder der Fernseher als Teil einer Szene.
- Garten: Mähroboter, die bei Regenmeldung der Wetterstation in ihre Station fahren, siehe Mähroboter bei Regen parken.
- Sprachassistenten: Alexa, Siri oder Google, zum Beispiel über den kostenpflichtigen Cloud-Dienst von Home Assistant.
- Warnungen: etwa amtliche Unwetterwarnungen, die Markise und Fenster schützen.
Wer macht was? Die sinnvolle Aufteilung
| Aufgabe | Gehört nach | Warum |
|---|---|---|
| Licht, Rollläden, Heizung, Taster, Präsenzmelder | KNX | muss immer funktionieren, auch wenn der Rechner neu startet |
| Windschutz, Frostschutz, Sicherheitsfunktionen | KNX | Schutzfunktionen gehören in das robusteste System |
| Einbindung von Geräten ohne KNX | Home Assistant | Hunderte Integrationen für Geräte aller Art |
| Übergreifende Automatiken und Auswertungen | Home Assistant | flexible Logik, Diagramme, Energieauswertung |
| App und Dashboards | Home Assistant oder Server des Herstellers | Geschmackssache; beides ist möglich |
So bleibt das Haus voll bedienbar, auch wenn Home Assistant einmal ausfällt oder aktualisiert wird.
Home Assistant oder Server des Herstellers?
Für App, Zeitpläne und Logik gibt es auch fertige Server, etwa den Gira X1 oder den 1Home Server. Sie sind schneller eingerichtet und werden vom Fachbetrieb betreut. Home Assistant ist flexibler und ohne Lizenzkosten, verlangt aber mehr Eigenarbeit bei Einrichtung, Updates und Pflege. Beides schließt sich nicht aus: Viele Häuser nutzen einen Herstellerserver für die App und Home Assistant für die Einbindung weiterer Geräte.
Für eigene Rechenlogik nutzen viele zusätzlich Node-RED, das sich in Home Assistant als Erweiterung installieren lässt. Wie das mit KNX funktioniert, zeigt der Artikel Node-RED und KNX am Beispiel der automatischen Umschaltung zwischen Sommer und Winter.
Planen Sie die KNX-IP-Schnittstelle gleich mit ein, auch wenn Sie Home Assistant erst später nutzen möchten. Und lassen Sie sich vom Fachbetrieb die ETS-Projektdatei übergeben, denn ohne sie ist die Einbindung mühsam. Der kostenlose KNX-Planer nennt Home Assistant als Alternative bei der App-Steuerung.
Häufige Fragen
Kann man KNX mit Home Assistant verbinden?
Ja. Home Assistant hat eine eigene KNX-Integration und verbindet sich über eine KNX-IP-Schnittstelle oder einen KNX-IP-Router mit dem Bus.
Was brauche ich für KNX und Home Assistant?
Einen kleinen Rechner für Home Assistant, eine KNX-IP-Schnittstelle oder einen IP-Router im Verteiler und die Gruppenadressen aus dem ETS-Projekt.
Ersetzt Home Assistant einen KNX-Server wie den Gira X1?
Für App, Zeitpläne und Logik kann Home Assistant diese Aufgaben übernehmen. Ein Herstellerserver ist dagegen schneller eingerichtet und wird vom Fachbetrieb betreut. Viele nutzen beides.
Funktioniert KNX weiter, wenn Home Assistant ausfällt?
Ja, wenn die Grundfunktionen in KNX selbst programmiert sind. Taster, Präsenzmelder und Aktoren arbeiten direkt zusammen; Home Assistant ergänzt nur.
Unterstützt Home Assistant KNX Secure?
Ja. Dafür braucht Home Assistant die Schlüssel aus dem ETS-Projekt, die der Fachbetrieb exportieren kann.
Was kostet Home Assistant?
Die Software ist kostenlos. Kosten entstehen für den Rechner, die KNX-IP-Schnittstelle und optional für den Cloud-Dienst, etwa für Sprachassistenten und den einfachen Fernzugriff.
KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.