KNX Aktor und Sensor: der Unterschied einfach erklärt
Jede KNX-Anlage besteht aus zwei Arten von Geräten: Sensoren, die Befehle geben, und Aktoren, die sie ausführen. Der Sensor liefert immer das Wenn, der Aktor immer das Dann. Wer das verstanden hat, versteht die Planung seines Hauses.
Kurz gesagt
- Die Grundregel: Der Sensor ist das Wenn, der Aktor ist das Dann. Jeder Wunsch an Ihr Haus lässt sich so aufteilen.
- Sensoren erfassen etwas und senden es auf den Bus: einen Tastendruck, eine Bewegung, die Temperatur.
- Aktoren empfangen Befehle und schalten Verbraucher: Licht, Rollläden, Heizungsventile.
- Aktoren sitzen meist im Verteiler und haben mehrere Kanäle, zum Beispiel acht Schaltausgänge.
- Sensoren und Aktoren dürfen von verschiedenen Herstellern stammen.
Sensor und Aktor in einem Satz
Ein Sensor ist jedes KNX-Gerät, das eine Information erzeugt und auf den Bus sendet. Ein Aktor ist jedes Gerät, das Informationen vom Bus empfängt und daraufhin etwas Physisches tut: einen Stromkreis schalten, eine Leuchte dimmen, einen Rollladen fahren oder ein Heizungsventil öffnen.
Noch kürzer geht es mit einem Wenn-Dann-Satz: Der Sensor ist immer für das Wenn zuständig, der Aktor immer für das Dann. Die Animation zeigt das an einem Flur.
- Wenn: Der Sensor erkennt etwas, hier eine Person im Raum.
- Telegramm: Er meldet es über den KNX-Bus.
- Dann: Der Aktor empfängt die Meldung und schaltet die Leuchte ein.
Ein Beispiel aus dem Flur: Der Präsenzmelder an der Decke bemerkt, dass jemand den Raum betritt, und sendet „Ein“. Der Dimmaktor im Verteiler empfängt diesen Befehl und schaltet die Deckenleuchte ein. Ist der Flur leer, sendet der Melder nach einer einstellbaren Zeit „Aus“. Wie die beiden Geräte zueinanderfinden, erklärt der Artikel über Gruppenadressen.
Wenn ist Sensor, Dann ist Aktor
Für Bauherren ist das die wichtigste Regel der ganzen KNX-Planung. Jeder Wunsch an Ihr Haus lässt sich als Wenn-Dann-Satz formulieren. Der Wenn-Teil sagt, welcher Sensor etwas bemerken muss. Der Dann-Teil sagt, welcher Aktor etwas tun muss. Zerlegen Sie also Ihre Wünsche in diese zwei Hälften, und Sie wissen, welche Geräte Ihr Haus braucht.
| Wenn … | Sensor | … dann | Aktor |
|---|---|---|---|
| jemand den Flur betritt, | Präsenzmelder | geht das Licht an. | Schalt- oder Dimmaktor |
| die Sonne auf die Südfassade scheint, | Wetterstation | fahren die Raffstores herunter. | Jalousieaktor |
| ein Fenster geöffnet wird, | Fensterkontakt am Binäreingang | wird die Heizung im Raum abgesenkt. | Heizungsaktor |
| ich die Taste „Fernsehabend“ drücke, | Tastsensor | dimmt das Licht und die Rollläden schließen. | Dimm- und Jalousieaktor |
| Wind aufkommt, | Wetterstation | fährt die Markise ein. | Jalousieaktor |
Daraus ergeben sich zwei einfache Prüfungen für jeden Wunsch:
- Gibt es einen Sensor für das Wenn? Ohne Präsenzmelder weiß das Haus nicht, dass jemand im Raum ist. Ohne Fensterkontakt weiß es nicht, dass gelüftet wird.
- Gibt es einen Aktorkanal für das Dann? Ohne Aktorkanal kann das Haus nichts schalten. Weil die Aktoren meist im Verteiler sitzen, braucht jeder Verbraucher eine eigene Leitung dorthin. Ein fehlendes Dann bedeutet deshalb oft eine Leitung, die im Rohbau verlegt werden muss.
Manche Wenns kommen nicht von einem Gerät im Raum, sondern von einer Uhrzeit oder einer Verknüpfung, etwa „wenn es 22 Uhr ist und niemand mehr im Wohnzimmer ist“. Das übernimmt ein Logikmodul oder Server. Er liefert ebenfalls ein Wenn; das Dann führt weiterhin ein Aktor aus. Und der Einbauort verrät nichts über die Rolle: Ein Binäreingang sitzt oft im Verteiler und ist trotzdem ein Sensor, denn er meldet nur, ob ein Kontakt offen oder geschlossen ist.
Schreiben Sie Ihre Wünsche als Wenn-Dann-Sätze auf, Raum für Raum. Genau so fragt auch der KNX-Planer: Er stellt Ihnen Wenn-Dann-Fragen und leitet daraus die Sensoren und Aktoren ab.
Die wichtigsten KNX-Sensoren
| Sensor | Aufgabe | Typischer Ort |
|---|---|---|
| Tastsensor | Bedienung von Licht, Rollläden und Szenen, oft mit Statusanzeige und integriertem Temperaturfühler | Neben Türen, am Bett |
| Präsenzmelder | Erkennt Anwesenheit und Helligkeit, schaltet Licht automatisch und meldet Abwesenheit an die Heizung | Decke in Flur, Bad, Küche, Büro |
| Bewegungsmelder außen | Schaltet Außenlicht bei Dunkelheit, liefert Bewegung für die Alarmfunktion | Eingang, Terrasse, Garage |
| Raumtemperaturregler | Misst die Temperatur und gibt die Stellgröße für die Heizung vor, oft im Tastsensor eingebaut | Jeder beheizte Raum |
| Raumklima- und CO₂-Sensor | Misst Luftqualität und Feuchte, warnt oder steuert die Lüftung | Schlaf- und Kinderzimmer, Bad |
| Wetterstation | Liefert Helligkeit, Wind, Regen und Dämmerung für Beschattung und Markisen | Dach oder Fassade |
| Binäreingang | Bindet einfache Kontakte an den Bus an, etwa Fensterkontakte oder Wassermelder | Verteiler oder Unterputzdose |
Die wichtigsten KNX-Aktoren
Aktoren werden nach ihrer Aufgabe und der Zahl ihrer Kanäle unterschieden. Ein Kanal ist ein einzeln steuerbarer Ausgang. Ein Schaltaktor 8fach kann also acht Stromkreise unabhängig voneinander schalten.
| Aktor | Schaltet | Übliche Größen |
|---|---|---|
| Schaltaktor | Licht ohne Dimmung, schaltbare Steckdosen, Lüfter, Pumpen | 2 bis 24 Kanäle |
| Dimmaktor | Dimmbare Leuchten, je nach Gerät auch LED-Treiber | 1 bis 4 Kanäle |
| Jalousieaktor | Rollläden, Raffstores, Markisen, motorische Dachfenster | 2 bis 12 Kanäle |
| Heizungsaktor | Thermische Stellantriebe der Fußbodenheizung oder Heizkörper | 4 bis 8 Kanäle |
| DALI-Gateway | Leuchten mit DALI-Betriebsgerät, einzeln oder in Gruppen über eine gemeinsame Steuerleitung | 1 oder 2 DALI-Stränge mit je bis zu 64 Leuchten |
Daneben gibt es Kombigeräte, etwa Schaltaktoren, die wahlweise auch Jalousien fahren, oder Heizungsaktoren mit eingebautem Regler. Welche Variante günstiger ist, hängt vom Projekt ab.
Reiheneinbau und Unterputz
Die meisten Aktoren sind Reiheneinbaugeräte (REG). Sie werden wie Sicherungsautomaten auf die Hutschiene im Verteiler gesetzt. Das ist übersichtlich, wartungsfreundlich und im Neubau der Normalfall. Unterputzaktoren (UP) sitzen dagegen in einer Gerätedose nahe am Verbraucher. Sie sind praktisch bei Nachrüstungen, weil keine neue Leitung zum Verteiler nötig ist.
Sensoren sitzen naturgemäß im Raum. Tastsensoren bestehen meist aus dem eigentlichen Gerät, den Wippen und einem Rahmen, der zum übrigen Schalterprogramm passt.
Systemgeräte: weder Sensor noch Aktor
Einige Geräte braucht jede Anlage, obwohl sie nichts schalten:
- Spannungsversorgung: Sie erzeugt die Busspannung von rund 30 Volt. Jede Linie braucht eine eigene.
- IP-Schnittstelle oder IP-Router: Sie verbindet den Bus mit dem Netzwerk, zum Programmieren mit der ETS und für Visualisierung oder Home Assistant. IP-Router koppeln außerdem mehrere Linien.
- Logikmodul oder Server: Er übernimmt Zeitprogramme, Verknüpfungen und die App-Steuerung. Ein Beispiel ist der Gira X1, für den Fernzugriff ergänzt um den Gira S1.
Wie viele Aktoren und Sensoren brauche ich?
Die Anzahl ergibt sich aus Ihren Räumen und Wünschen. Als Faustregel gilt:
- Jede Lichtgruppe braucht einen Schalt- oder Dimmkanal, jede schaltbare Steckdose einen Schaltkanal.
- Jeder Rollladen, Raffstore und jede Markise braucht einen Jalousiekanal.
- Jeder Heizkreis braucht einen Stellantrieb und einen Kanal im Heizungsaktor.
- Jedes Fenster mit Fensterkontakt braucht einen Eingang am Binäreingang.
- Rechnen Sie bei den Aktorkanälen etwa 20 Prozent Reserve für spätere Wünsche ein.
Der kostenlose KNX-Planer rechnet das für Ihr Haus automatisch aus: Sie erfassen die Räume, wählen die Funktionen, und er bündelt die Kanäle zu passenden Aktoren.
Ein Präsenzmelder kann mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen: Licht, Heizungsabsenkung bei Abwesenheit und Alarmfunktion. Planen Sie Geräte deshalb nach Räumen, nicht nach Einzelfunktionen. So vermeiden Sie doppelte Geräte. Welche Funktionen alle am Präsenzmelder hängen, zeigt der Artikel Präsenzmelder.
Häufige Fragen
Was hat Wenn-Dann mit Sensor und Aktor zu tun?
Alles. Der Sensor liefert das Wenn, zum Beispiel „wenn jemand den Raum betritt“. Der Aktor führt das Dann aus, zum Beispiel „dann geht das Licht an“. Jeder Wunsch an eine KNX-Anlage lässt sich so in einen Sensor und einen Aktor zerlegen.
Kann ein Gerät Sensor und Aktor zugleich sein?
Ja. Viele Tastsensoren haben einen Temperaturfühler und regeln die Heizung, manche Aktoren besitzen zusätzlich Eingänge für Taster oder Fensterkontakte. Jede einzelne Funktion darin ist aber entweder ein Wenn oder ein Dann. Für die Planung zählt, welche Aufgabe das Gerät im Projekt übernimmt.
Müssen Sensoren und Aktoren vom selben Hersteller sein?
Nein. Alle zertifizierten KNX-Geräte arbeiten herstellerübergreifend zusammen. Häufig werden Taster nach Design ausgewählt und Aktoren nach Preis und Funktion.
Was passiert, wenn ein Aktor ausfällt?
Dann fallen nur die Kanäle dieses Aktors aus, der Rest der Anlage arbeitet weiter. Der Aktor wird getauscht und mit der ETS neu programmiert.
Was ist der Unterschied zwischen Präsenzmelder und Bewegungsmelder?
Ein Präsenzmelder erkennt auch kleine Bewegungen, etwa am Schreibtisch, und misst die Helligkeit genau. Er eignet sich für Innenräume. Bewegungsmelder reagieren auf größere Bewegungen und werden vor allem außen eingesetzt.
KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.