Elektroinstallation im Neubau planen: so gehen Sie vor
Die Elektroinstallation wird im Rohbau verlegt und verschwindet dann für Jahrzehnte hinter dem Putz. Was jetzt fehlt, ist später teuer. Hier erfahren Sie, wann Sie planen sollten, welche Normen den Rahmen setzen, worauf es bei Steckdosen, Leitungen und Netzwerk ankommt und wann sich ein Smart Home lohnt.
Kurz gesagt
- Geplant wird vor dem Rohbau: Bis die Leitungen verlegt werden, müssen Steckdosen, Schalter, Leuchten und Verteiler feststehen.
- Den Rahmen setzen DIN 18015 für die Planung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden und die Ausstattungswerte nach RAL-RG 678.
- Großzügig planen: mehr Steckdosen, Leerrohre zu wichtigen Stellen, Netzwerkleitungen in jeden Raum und Platz im Verteiler.
- Ob konventionell oder Smart Home, entscheiden Sie am besten jetzt. Ein KNX-System braucht Busleitungen, die nur im Rohbau günstig zu verlegen sind.
Wann Sie planen sollten
Die Elektroplanung gehört in die Ausführungsplanung, also vor Baubeginn. Spätestens wenn die Wände stehen, verlegt der Elektriker die Leitungen und setzt die Dosen. Danach ist jede Änderung mit Schlitzen, Putz und Malerarbeiten verbunden. Gehen Sie deshalb jeden Raum mit dem Möbelplan durch: Wo steht das Bett, wo der Fernseher, wo die Küchenzeile?
Normen und Ausstattungswerte
- DIN 18015 regelt die Planung elektrischer Anlagen in Wohngebäuden, mit Teilen zu Planungsgrundlagen, zum Umfang der Mindestausstattung, zur Leitungsführung und zur Gebäudesystemtechnik.
- Installationszonen nach DIN 18015-3 legen fest, wo Leitungen in der Wand verlaufen dürfen, etwa waagerecht nahe Decke und Fußboden und senkrecht neben Türen, Fenstern und Raumecken. So lassen sich später Bilder aufhängen, ohne eine Leitung zu treffen.
- Ausstattungswerte nach RAL-RG 678 beschreiben drei Stufen von der Mindestausstattung bis zur Komfortausstattung, mit Anzahl von Steckdosen, Anschlüssen und Stromkreisen je Raum. Für einen Neubau ist mindestens die mittlere Stufe empfehlenswert.
Die Details setzt Ihr Elektrofachbetrieb um. Für Sie als Bauherr ist wichtig zu wissen, welche Ausstattung vereinbart ist.
Steckdosen und Schalter planen
- Mehr als gedacht: neben dem Bett auf beiden Seiten, am Schreibtisch, hinter dem Fernseher, in der Küche über der Arbeitsfläche, im Flur für den Staubsauger.
- Doppelt oder dreifach: an Stellen mit mehreren Geräten lieber Mehrfachsteckdosen.
- Außen: Steckdosen an Terrasse, Garten, Garage und Einfahrt, idealerweise abschaltbar.
- Schaltbar: Steckdosen für Stehlampen und Weihnachtsbeleuchtung mit eigener Leitung zum Verteiler, dann lassen sie sich später mit einem Schaltaktor steuern.
- Schalter an jeder Tür auf der Seite des Türgriffs, am Bett beidseitig, an Treppen oben und unten.
Leitungen, Leerrohre und Netzwerk
- Leerrohre zu Dachboden, Keller, Technikraum, Garage und wichtigen Wohnräumen machen spätere Erweiterungen möglich.
- Netzwerk mit einer Netzwerkleitung in jeden Wohnraum, zu Decken für WLAN-Zugangspunkte und an mögliche Plätze für Kameras, Türsprechanlage und Touchpanel.
- Zukunft: Leitungen oder Leerrohre für Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpe und Wallbox, siehe Energie und Wallbox.
- Außen: Leitungen für Außenleuchten, Bewegungsmelder, Torantrieb, Pforte und Gartenbeleuchtung.
Verteiler und Schutz
Der Verteiler nimmt Sicherungen, Fehlerstrom-Schutzschalter und gegebenenfalls Smart-Home-Geräte auf. Planen Sie ihn eher zu groß als zu klein, mit Reserve für spätere Stromkreise. Überspannungsschutz ist bei Neubauten in der Regel vorgeschrieben. Mit KNX kommen Aktoren und Systemgeräte hinzu, der Verteiler wird deutlich größer, siehe KNX-Systemgeräte.
Konventionell oder Smart Home?
Diese Entscheidung sollte vor dem Rohbau fallen. Ein Funksystem lässt sich nachrüsten, ein kabelgebundenes System wie KNX nicht ohne Weiteres. Bei KNX laufen die Lastleitungen sternförmig zum Verteiler und eine Busleitung zu allen Tastern und Sensoren. Wer unsicher ist, kann zumindest die Busleitung mitverlegen lassen. Die Abwägung steht im Artikel Smart Home: Vor- und Nachteile, die Kosten im Artikel Was kostet KNX?
Checkliste für Bauherren
- Möbelplan für jeden Raum erstellen und Steckdosen, Schalter und Leuchten einzeichnen.
- Ausstattungswert mit dem Elektriker vereinbaren.
- Netzwerkleitungen in jeden Wohnraum und zu den Decken für WLAN.
- Leerrohre zu Dach, Keller, Garage und Technikraum.
- Außenbereiche: Licht, Steckdosen, Bewegungsmelder, Tor, Pforte.
- Vorbereitung für Photovoltaik, Wärmepumpe und Wallbox.
- Entscheidung Smart Home oder konventionell, bei KNX die Planung Raum für Raum.
- Vor dem Verputzen alle Leitungen fotografieren.
Wenn Sie ein Smart Home in Betracht ziehen, beschreiben Sie im kostenlosen KNX-Planer Raum für Raum, was Ihr Haus können soll. Sie erhalten eine Geräteliste mit Materialkosten als Grundlage für das Gespräch mit dem Elektriker.
Häufige Fragen
Wann muss die Elektroinstallation im Neubau geplant werden?
Vor dem Rohbau, spätestens in der Ausführungsplanung. Wenn der Elektriker Leitungen verlegt und Dosen setzt, müssen alle Positionen feststehen.
Welche Norm gilt für die Elektroinstallation im Wohnhaus?
Für die Planung gilt DIN 18015 mit Teilen zu Planungsgrundlagen, Mindestausstattung, Leitungsführung und Gebäudesystemtechnik. Ausstattungswerte beschreibt RAL-RG 678.
Wie viele Steckdosen braucht ein Raum?
Mehr als die Mindestausstattung: Planen Sie nach dem Möbelplan an jedem Platz, an dem Geräte stehen, mindestens eine Doppelsteckdose. Die Ausstattungswerte nach RAL-RG 678 geben Richtwerte je Raum.
Sollte ich im Neubau Netzwerkleitungen verlegen?
Ja. Eine Netzwerkleitung in jeden Wohnraum und zu den Decken für WLAN-Zugangspunkte ist im Rohbau günstig und später kaum nachzurüsten.
Wann sollte ich mich für ein Smart Home entscheiden?
Vor dem Rohbau. Ein kabelgebundenes System wie KNX braucht eigene Leitungen, die nur im Rohbau günstig verlegt werden können.
KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.