KNX und KI: wie Claude die ETS-Programmierung vereinfacht
Die Programmierung einer KNX-Anlage ist viel Fleißarbeit: Hunderte Gruppenadressen anlegen, sauber benennen, mit den richtigen Datenpunkttypen versehen, verknüpfen und dokumentieren. Genau hier helfen KI-Assistenten wie Claude von Anthropic schon heute. Hier erfahren Sie, was praktisch funktioniert, wie der Ablauf mit der ETS aussieht und wo die Grenzen liegen.
Kurz gesagt
- Claude programmiert keine KNX-Geräte selbst. Die ETS bleibt das Werkzeug, mit dem Geräte parametriert und programmiert werden.
- Claude übernimmt die Vorarbeit und Nacharbeit: aus Wünschen eine Funktionsliste machen, Gruppenadressen strukturieren, eine Importdatei für die ETS erzeugen, Exporte prüfen und dokumentieren.
- Über die Import- und Exportfunktionen der ETS für Gruppenadressen wandern die Ergebnisse in beide Richtungen.
- Am Anfang steht die Dokumentation: Geben Sie Claude die Bedienungsanleitungen und technischen Handbücher aller Geräte am Bus. Dann weiß Claude genau, was verbaut ist und welche Funktionen jedes Gerät bietet.
- Mit Home Assistant und dem Model Context Protocol kann Claude ein bestehendes Haus sogar direkt bedienen. Prüfen und verantworten muss das Ergebnis immer ein Mensch.
Was KI heute kann und was nicht
Die ETS ist eine Windows-Software, mit der jedes KNX-Gerät programmiert wird. Ein KI-Assistent bedient die ETS nicht selbst und lädt keine Programme in Geräte. Er arbeitet mit dem, was sich in Text und Dateien ausdrücken lässt: Funktionslisten, Gruppenadressen, Tabellen, Exporte, Datenblätter und Konfigurationen. Und genau dort steckt ein großer Teil der Arbeit.
| Aufgabe | Claude | ETS und Fachbetrieb |
|---|---|---|
| Wünsche in Funktionen übersetzen | ja | prüfen |
| Gruppenadressen strukturieren und benennen | ja, als Importdatei | importieren, prüfen |
| Kommunikationsobjekte verknüpfen | Arbeitsliste erstellen | in der ETS ausführen |
| Geräteparameter einstellen | erklären, Vorschläge machen | in der ETS einstellen |
| Programmieren und in Betrieb nehmen | nein | ja |
| Prüfen und dokumentieren | ja, anhand von Exporten | abnehmen |
Sieben Einsatzfelder
- Von Wünschen zur Funktionsliste: Sie beschreiben Raum für Raum, was passieren soll, etwa „Wenn ich den Flur nachts betrete, geht das Licht gedimmt an“. Claude macht daraus eine Funktionsliste mit Sensoren, Aktoren und benötigten Kanälen. Das Prinzip kennen Sie aus dem Artikel Aktor und Sensor.
- Gruppenadressen strukturieren: Claude legt eine durchgängige Struktur mit Haupt-, Mittel- und Untergruppen an, benennt alle Adressen einheitlich, ergänzt die Statusadressen und ordnet jeder Adresse den passenden Datenpunkttyp zu. Mehr zur Struktur im Artikel Gruppenadressen.
- Importdatei für die ETS: Die ETS kann Gruppenadressen aus einer Datei importieren. Claude erzeugt diese Datei im passenden Format; Hunderte Adressen entstehen so in Minuten statt in Stunden.
- Parameter verstehen: Laden Sie die Produktdokumentation eines Geräts hoch und fragen Sie, wie etwa beim Präsenzmelder die Nachlaufzeit oder der Nachtbetrieb einzustellen ist. Claude erklärt die Parameter verständlich.
- Projekt prüfen: Ein Export der Gruppenadressen aus der ETS lässt sich auf Lücken prüfen: fehlende Statusadressen, uneinheitliche Namen, doppelte Funktionen, abweichende Datenpunkttypen.
- Dokumentieren: Aus Exporten erstellt Claude ein Raumbuch, eine Übersicht aller Funktionen oder eine Übergabedokumentation für den Bauherrn. Welche Unterlagen dazugehören, steht im Artikel KNX-Schema für das Einfamilienhaus.
- Logik und Home Assistant: Claude schreibt Automationen für Home Assistant, etwa für den Mähroboter bei Regen oder die Miele-Kaffeemaschine, und hilft bei der Fehlersuche anhand von Aufzeichnungen aus dem Gruppenmonitor.
Zuerst die Bedienungsanleitungen: Claude kennt dann jedes Gerät
Wer mit Claude ein ETS-Projekt bespricht, sollte am Anfang die Bedienungsanleitungen aller Geräte hochladen, die am KNX-Bus verbaut sind oder verbaut werden sollen. Damit weiß Claude genau, was im Haus steckt, und kann die Funktionen jedes Geräts bei der Planung der Gruppenadressen und Parameter berücksichtigen, statt mit allgemeinen Annahmen zu arbeiten.
Ein Beispiel: Ob ein Tastsensor neben der Wippe eine Temperaturmessstelle hat, steht in seiner Anleitung. Hat er eine, plant Claude dafür eine Gruppenadresse für die Raumtemperatur ein und verbindet sie mit dem Heizungsaktor oder Raumtemperaturregler. Ein zusätzlicher Temperaturfühler in diesem Raum ist dann überflüssig. Fehlt die Messstelle, weist Claude darauf hin, dass der Raum einen anderen Fühler braucht. Genauso erkennt Claude, ob ein Präsenzmelder auch die Helligkeit misst, wie viele Kanäle ein Schaltaktor hat, ob er Strom messen kann und welche Logikfunktionen die Geräte schon eingebaut haben.
Welche Unterlagen Claude helfen
- Geräteliste: alle Geräte mit Hersteller, Bestellnummer und Einbauort, etwa „Tastsensor 3fach mit Temperaturfühler, Wohnzimmer neben der Tür“. Die Geräteliste aus dem KNX-Planer ist ein guter Ausgangspunkt.
- Bedienungs- und Montageanleitungen: Sie zeigen, was ein Gerät kann, welche Sensoren eingebaut sind und wie es angeschlossen wird.
- Applikationsbeschreibungen: Die technischen Handbücher zur ETS-Applikation beschreiben alle Kommunikationsobjekte, Parameter und Datenpunkttypen. Damit kann Claude die Verknüpfungen in der ETS besonders genau vorbereiten.
Die Unterlagen gibt es als PDF auf den Websites der Hersteller, meist auf der Produktseite im Bereich Downloads. Wer mehrere Gespräche zum selben Haus führt, legt die Dateien am besten in einem Projekt in Claude ab. Dann stehen sie in jedem neuen Chat zur Verfügung, ohne dass man sie erneut hochladen muss. Persönliche Daten enthalten die Anleitungen nicht.
Schritt für Schritt: Gruppenadressen mit Claude
- Formatvorlage aus der ETS: Legen Sie in der ETS ein paar Gruppenadressen an und exportieren Sie sie. Diese Datei zeigt genau das Format, das Ihre ETS-Version beim Import erwartet.
- Grundlagen an Claude geben: Raumliste mit Etagen, Ihre Wünsche als Wenn-Dann-Sätze, die Geräteliste mit den Bedienungsanleitungen und Applikationsbeschreibungen aller Geräte und die Formatvorlage.
- Struktur festlegen lassen: Claude schlägt eine Struktur vor; Sie oder der Fachbetrieb passen sie an, bevor die Datei entsteht.
- Importdatei erzeugen: Claude erstellt die Datei mit allen Adressen, Namen und Datenpunkttypen.
- In der ETS importieren und prüfen: Struktur, Namen und Datenpunkttypen kontrollieren.
- Verknüpfen: Die Kommunikationsobjekte der Geräte werden in der ETS mit den Gruppenadressen verknüpft. Eine von Claude erstellte Liste, welcher Kanal zu welcher Adresse gehört, macht diesen Schritt schneller und weniger fehleranfällig.
So könnte die Anfrage an Claude aussehen:
Hier sind die Räume unseres Einfamilienhauses mit Etagen,
unsere Wünsche als Wenn-Dann-Sätze, die Geräteliste mit den
Bedienungsanleitungen aller Geräte am Bus und ein Export aus
der ETS als Formatvorlage. Berücksichtige die Funktionen, die
die Geräte laut Anleitung mitbringen, zum Beispiel
Temperaturfühler in den Tastsensoren.
Bitte erstelle eine Gruppenadressen-Struktur nach dem Muster
Hauptgruppe = Gewerk, Mittelgruppe = Etage, Untergruppe =
Funktion je Raum. Lege zu jeder Schaltadresse eine
Statusadresse an, vergib die passenden Datenpunkttypen und
liefere das Ergebnis im Format der Vorlage, damit ich es in
die ETS importieren kann. Liste offene Fragen am Ende auf.
Beispiel für eine Struktur
| Adresse | Name | Datenpunkttyp |
|---|---|---|
| 1/0/1 | Licht EG Wohnen Decke schalten | 1.001 |
| 1/0/2 | Licht EG Wohnen Decke Status | 1.001 |
| 1/0/3 | Licht EG Wohnen Decke dimmen | 3.007 |
| 1/0/4 | Licht EG Wohnen Decke Helligkeitswert | 5.001 |
| 2/0/1 | Jalousie EG Wohnen Süd auf/ab | 1.008 |
| 2/0/2 | Jalousie EG Wohnen Süd Stopp/Lamelle | 1.007 |
| 3/0/1 | Heizung EG Wohnen Ist-Temperatur | 9.001 |
| 3/0/2 | Heizung EG Wohnen Betriebsart | 20.102 |
Die Struktur ist ein Beispiel. Wichtig ist nicht das eine richtige Schema, sondern dass es im ganzen Projekt einheitlich angewendet wird. Genau darin ist eine KI sehr zuverlässig.
Home Assistant und das Model Context Protocol
Das Model Context Protocol, kurz MCP, ist ein offenes Protokoll, über das KI-Anwendungen mit anderen Systemen zusammenarbeiten. Home Assistant bietet dafür die offizielle Integration „Model Context Protocol Server“. Ist sie eingerichtet, kann Claude ein Haus mit Home Assistant ähnlich wie über einen Sprachassistenten bedienen und Zustände abfragen. Dazu gehören auch die KNX-Geräte, die in Home Assistant eingebunden sind. Laut Home Assistant unterstützt die Integration bisher nur einen Teil der Möglichkeiten von MCP.
Wichtig: Wer Claude Zugriff auf das eigene Haus gibt, sollte genau festlegen, welche Geräte freigegeben sind. Türöffner, Alarmierung und Sicherheitsfunktionen gehören nicht dazu.
Grenzen und Sicherheit
- Alles prüfen: KI kann sich irren, etwa bei Datenpunkttypen oder Parametern eines bestimmten Geräts. Maßgeblich sind die Produktdatenbank in der ETS und die Dokumentation des Herstellers.
- Keine Schlüssel weitergeben: ETS-Projektdatei mit Passwort, Gerätezertifikate und Schlüssel für KNX Secure gehören nicht in einen KI-Chat. Für die meisten Aufgaben genügt ein Export der Gruppenadressen.
- Datenschutz: Laden Sie nur hoch, was für die Aufgabe nötig ist, und verzichten Sie auf Namen, Adressen und Zugangsdaten.
- Verantwortung: Für Installation und Inbetriebnahme bleibt der Fachbetrieb verantwortlich. Die KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für Fachwissen.
- ETS bleibt nötig: Für die Programmierung braucht es weiterhin eine ETS-Lizenz.
Was hier für Claude beschrieben ist, gelingt grundsätzlich auch mit anderen KI-Assistenten. Entscheidend ist, dass der Assistent mit Dateien arbeiten und Tabellen zuverlässig erzeugen kann.
KI im KNX-Planer
Der KNX-Planer arbeitet schon heute mit Wenn-Dann-Sätzen, die sich direkt in Funktionen übersetzen lassen. Geplant ist, dass das Premium-Paket von KnowNX daraus Vorschläge für Gruppenadressen und Verknüpfungen in der ETS erzeugt, und dass Wünsche später auch als freier Text beschrieben werden können.
Beschreiben Sie Ihre Wünsche zuerst im kostenlosen KNX-Planer. Die Funktionen und die Geräteliste sind eine ideale Grundlage für das Gespräch mit dem Fachbetrieb und für die Arbeit mit einem KI-Assistenten. Wenn Sie mehr über die Programmierung lernen möchten, hilft der Artikel KNX lernen.
Häufige Fragen
Kann KI eine KNX-Anlage programmieren?
Nicht direkt. Die Programmierung der Geräte erfolgt weiterhin mit der ETS. KI wie Claude übernimmt aber viel Vor- und Nacharbeit: Funktionslisten, Gruppenadressen, Importdateien, Prüfung und Dokumentation.
Welche Unterlagen sollte ich Claude für ein ETS-Projekt geben?
Am besten die Geräteliste mit Hersteller, Bestellnummer und Einbauort sowie die Bedienungsanleitungen und Applikationsbeschreibungen aller Geräte am KNX-Bus. Dann weiß Claude genau, was verbaut ist, etwa ob ein Tastsensor eine Temperaturmessstelle hat, und kann diese Funktionen bei Gruppenadressen und Parametern berücksichtigen.
Wie kommen die Gruppenadressen von Claude in die ETS?
Über die Importfunktion der ETS für Gruppenadressen. Am sichersten exportieren Sie vorher einige Adressen aus der ETS als Formatvorlage und lassen Claude genau dieses Format verwenden.
Kann Claude mein KNX-Haus steuern?
Über Home Assistant ja: Mit der Integration „Model Context Protocol Server“ kann Claude freigegebene Geräte ähnlich wie ein Sprachassistent bedienen, auch KNX-Geräte, die in Home Assistant eingebunden sind.
Darf ich meine ETS-Projektdatei in einen KI-Chat laden?
Besser nicht. Projektdatei, Passwort und Schlüssel für KNX Secure gehören nicht in einen Chat. Für die meisten Aufgaben genügt ein Export der Gruppenadressen ohne vertrauliche Angaben.
Ersetzt KI den KNX-Fachbetrieb?
Nein. KI beschleunigt Planung, Struktur und Dokumentation. Installation, Programmierung, Inbetriebnahme und die Verantwortung bleiben beim Fachbetrieb.
KnowNX-Redaktion KnowNX ist ein unabhängiges Angebot der Enemies of the good GmbH. Die Redaktion erklärt KNX-Gebäudeautomation herstellerneutral für Bauherren, aus der Praxis mit KNX-Anlagen in Wohn- und Bürogebäuden, und hält die Artikel laufend aktuell.